Heute ist Karfreitag. Im Festkalender ist der Karfreitag eine Art Vorlauf zum Osterfest. Wer samstags nicht arbeiten muss, hat vier Tage frei und kann hoffen, bei entsprechendem Wetter ein paar schöne Frühlingstage zu geniessen.

Der Karfreitag selbst ist eine Aufforderung, sich mit menschlichem Leid auseinanderzusetzen. Wir möchten uns lieber auf das Schöne im Leben konzentrieren. Wir möchten das Leben genießen.
Doch auch das Leid ist ein Bestandteil des menschlichen Lebens. Schwere und leidvolle Erlebnisse sind Dinge, die wir gerne verdrängen und ausblenden. Doch früher oder später kann es jeden von uns treffen.
Der Karfreitag fordert uns auf, innezuhalten und über Schweres im Leben nachzudenken. Wir sind von Leid umgeben. Wir brauchen nur unsere Augen und Ohren offen zu halten. Wer aufmerksam ist, kann vieles über das Leid seiner MItmenschen erfahren. In den Medien hören wir davon, was Menschen auf der ganzen Welt Leidvolles erleben.
Freilich geht es in der christlichen Botschaft vom Karfreitag um mehr als nur um menschliches Leid. Trotzdem können wir aus den Evangelien lernen, dass Gott um unser menschliches Leid weiß. Gott kann mitfühlen, wenn Menschen leiden.
Dabei gibt es verschiedene Arten von menschlichem Leid. Manches Leid trifft uns schicksalhaft: eine Krankheit, ein Todesfall, ein Unfall oder eine Naturkatastrophe. Viel zu oft entsteht menschliches Leid, weil Menschen anderen Menschen Böses antun.
Wir hören, dass Jesus zum Tode verurteilt wurde, dass er gefoltert und grausam hingerichtet wurde. In dem vorangegangenen Prozess wurden falsche Beschuldigungen vorgebracht. Wir erfahren, dass Verantwortliche damals um ihren eigenen Einfluss fürchteten und dass sie deswegen nach einem Weg suchten, Jesus zu beseitigen.
Der Karfreitag fordert uns heraus. dass wir uns unserer eigenen Schuld stellen. Wo haben wir anderen Unrecht getan, um für uns selber Vorteile zu erringen?
Menschen, die Schweres erleben, neigen zu Selbstvorwürfen. Hätte ich doch in dieser oder jener Situation anders gehandelt! Vielleicht hätte ich mir leidvolle Erlebnisse ersparen können.
Es gibt Selbstvorwürfe, die einer objektiven Überprüfung nicht standhalten. Doch manchmal gibt es auch wirkliche Zusammenhänge.
Mancher, der Schweres erlebt, wird sich daran erinnern, wie er selbst früher andere in ihrem Leid leichtfertig abgekanzelt hat. Andere finden Trost, wenn sie sich daran erinnern, wie sie anderen geholfen und sie getröstet haben.
Die Botschaft von Karfreitag fordert uns heraus, dass wir über unser eigenes Leben, d.h. über unser eigenes Verhalten nachdenken. Der Karfreitag konfrontiert uns mit dem Gedanken an eigene Verfehlungen und Schuld.
Die Botschaft vom Karfreitag kann frohmachend sein. Wir erfahren, dass Gott um menschliches Leid weiß, und wir lernen, dass Gott um menschliche Schuld weiß.
Gott möchte uns in unserem Leid trösten. Gott möchte uns in unseren Verfehlungen korrigieren.
Wir hören, dass der Tod Jesu am Kreuz nicht das Ende war. Am dritten Tage ist Jesus von den Toten auferstanden.
Gott möchte uns neue Hoffnung schenken. Gott ist bereit, uns unsere eigenen Verfehlungen zu vergeben. Gott möchte uns den Weg in ein neues Leben zeigen.
(Das Beitragsbild zeigt eine Karfreitagsprozession in Malta, aufgenommen von Bellina 09, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons.) Hier der LInk zur Bildseite auf Wikimedia Commons: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Good_Friday_Procession.jpg.